Grüne fragen nach: Ist die Trinkwasserversorgung in Teilen Westerlands noch sicher?

EVS-Brunnen-Pumpstation in List

Bündnis90/Die Grünen und die SPD Fraktion der Gemeinde Sylt stellen angesichts aktueller Probleme mit einer möglichen Kontamination des Grundwassers durch PER (*Tetrachlorethen) bei der alten Reinigung am Bahnweg/Stadumstr. und der Aktivitäten auf dem Fliegerhorst/Flughafengelände folgende Anfrage an die Gemeinde :

  1. Anfrage bzw. Auskunftserteilung gem. § 30,1 (Kontrollrecht) unter Berücksichtigung des Informationszugangsgesetz (IZG-SH)
  2. Antrag zur Einholung von Informationen zur Sylter Trinkwasserversorgung

Sylt, 03.07.17

Sehr geehrter Herr Bürgervorsteher,

wir sind uns sicherlich einig: Unsere Süßwasserversorgung in der Inselmitte ist für uns Sylter und für unsere Gäste von existentieller Bedeutung. Wir können nicht bzw. kaum ausweichen oder unser Wasser vom Festland beziehen. Im Falle einer Schädigung unserer Süßwasserlinse würde uns nur der Bau von Entsalzungsanlagen bleiben.

In öffentlichen Sitzungen hat sich die Gemeindevertretung und der Umweltausschuss wiederholt mit der Problematik beschäftigt (u.a. GV 12.08.10, 21.04.13 sowie UA 01.12.14).

Handlungsempfehlungen der EVS sind wiederholt erfolgt, aber bisher von der Politik und Verwaltung nicht mit der gebotenen Dringlichkeit umgesetzt worden.

In diesem Kontext ist unser Auskunftsersuchen zu verstehen. Da die Gemeindeverwaltung nur bedingt zu dieser Thematik Auskunft erteilen kann, beantragen die o.g. Fraktionen, dass auch die Energieversorgung Sylt, die VEN Norddörfer, die untere und obere Wasserbehörde, der ISTS, die Flughafengesellschaft und das Amt Landschaft Sylt bzw. die Amtsgemeinden zur Stellungnahme gebeten werden.

Die Ergebnisse sind auf der Internetseite der Gemeinde Sylt zu veröffentlichen. Auch empfehlen wir die Thematik auf der nächsten Einwohnerversammlung als Tagesordnungspunkt aufzunehmen.

Wir bitten um ausführliche Auskünfte zu den nachstehenden Fragen:

  1. Wasserentnahme (Fliegerhorst)

Seit einigen Jahren steigen die Entnahmemengen signifikant. Wurden 2013 noch 1,977 Mio. m3 (nur EVS) entnommen, so werden es 2017 bereits 2,4 Mio. m3 sein. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass nach dem Bau der Großhotels in List, Hörnum und Rantum die EVS von einer Steigerung des Wasserverbrauchs von 65.000 m3 ausgegangen ist.

  • Gibt es eine Prognose der Wasserversorger für die Entwicklung der Wasserentnahmemengen für die nächsten Jahre und welche Auswirkungen haben weitere Hotelprojekte (z.B. Lanserhof, touristische Erschließung MVS-Gelände)?
  • Welche Wassermengen sind derzeit genehmigt und welche Menge aus den bestehenden Brunnenfeldern könnte ohne Risiko (Z.B. Versalzung) entnommen werden bzw. könnten genehmigt werden?
  • Hat sich die Wasserqualität im Zeitablauf verschlechtert und welche Verunreinigungen sind ggf. festzustellen?
  1. Wasserentnahme EVS-Wäldchen

Bekanntlich werden diese Brunnen nur für geringe Entnahmen genutzt, sind aber als Redundanz nicht zu entbehren. In der unmittelbaren Umgebung dieser Brunnen sind relevante Verschmutzungen des Grundwassers mit dem Reinigungsmittel Per festgestellt worden.

  • Welche Mengen wurden in den letzten Jahren entnommen?
  • Sind die Brunnen bereits kontaminiert?
  • Welche Maßnahmen sind von der EVS eingeleitet worden?
  • Ist der Verursacher festgestellt worden und entsprechend zur Beseitigung der Schäden aufgefordert worden? Kann eine Schadenssumme beziffert werden?
  • Inwieweit arbeitet die untere Wasserbehörde des Kreises und der Verursacher mit der EVS zwecks Schadensbegrenzung zusammen?
  1. Leitungsnetz und Speicherkapazität

In der Hochsaison halten sich auf der Insel wohl mehr als 150.000 Menschen auf, die alle Wasser in unterschiedlich Mengen verbrauchen. Offensichtlich konnten diese Mengen bisher zur Verfügung gestellt werden. Besonders hoch ist bekanntlich der pro Kopfverbrauch in Hotelanlagen mit Wellnessbereich.

  • Sind weitere Mengensteigerungen in Bezug auf das Leitungsnetz bzw. die Speicherkapazität vertretbar und welche Risiken sind latent vorhanden (z.B. lange Trockenperiode, Ausfall Brunnenfeld EVS-Gelände)?
  • Können die Inselenden verlässlich versorgt werden bei steigenden Verbräuchen – wo ist die Grenze zu vermuten?
  • Welche Investitionen wären ggf. notwendig (Investitionssumme)?
  1. Risiken für unser Brunnenfeld auf dem Flugplatzgelände

In unmittelbarer Nähe zu den Brunnenfeldern gibt es u.a. einen regen Flugbetrieb mit großen Passagierflugzeugen, eine Flugwerft, div Lagerflächen und die Hallen 25 und 28, die auch für gr. Fahrzeuge, Lagerflächen und Unterstellplätze für Flugzeuge genutzt werden.

  • Halten die untere und die obere Wasserbehörde wie auch die Verwaltung der Gemeinde und die EVS diese evidente Risikolage für vertretbar?
  • Gibt es regelmäßige Kontrollen hinsichtlich der Tätigkeiten wie auch der gelagerten Materialien (Kerosin, Öle, Schmierstoffe, Hydrauliköle etc.)?
  • Gibt es einen Einsatzplan für bestimmte Risiken?

 

 

*Tetrachlorethen ist als krebserzeugender Gefahrstoff der Kategorie drei eingestuft. Die chronische Aufnahme führt zu Leber- und Nierenschäden. Es steht in Verdacht, reproduktionstoxisch und karzinogen zu sein.

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