Insel-Klima und Energie

Sylt sollte im eigenen Interesse und aus Solidarität mit anderen Inseln auf der Welt die bereits drastisch von Klimawandel und Meeresspiegelanstieg betroffen sind ein gutes Beispiel für klimafreundliches Leben abgeben.

Leider ist das Gegenteil der Fall, wie ein Klimagutachten der Insel und Halligkonferenz aus dem Jahre 2011 attestiert: „Sylt kommt im Tourismus bundesweit eine herausragende Bedeutung zu. Beim Klimaschutz rangiert Sylt jedoch im kommunalen Mittelfeld und hat ein enormes Aufholpensum zu absolvieren.“

Daran hat sich auch in den vergangenen Jahren wenig geändert. Es wurde zwar seitens der Gemeinde Sylt vorübergehend ein Klimaschutzmanager eingestellt. Der schmiss aber frustriert noch vor Ablauf seiner befristeten Stelle das Handtuch. Zur Zeit ist die Stelle erneut ausgeschrieben und soll zu Jahresbeginn 2020 besetzt werden. Wir Grünen setzen uns für die dauerhafte Einrichtung einer „Klimaschutz- und Verkehrswende-Stelle“ ein, die für alle Gemeinden der Insel beratende Funktion hat.

Alte Technologien in sylter Betrieben, schlechte Energiebilanz in vielen Häusern, geringe „Lebenszeit“ von Häusern (zum Teil unter 20 Jahren), die Nutzung fossiler Energieträger zum Heizen (Öl), kaum klimafreundliche Gastronomie und wenig Einsatz neuer, innovative Techniken wie Photovoltaik, Solarthermie und Erdwäremepumpen, sowie ein überbordender Autoverkehr ziehen die CO2 und Energiebilanz der Insel weit nach unten, während touristische Mitbewerber wie die Nordseeinsel Juist mit Ökopreisen-und Nachhaltigkeits-Zertifikaten überhäuft werden und den Status einer Zero-CO2-Bilanzinsel anstreben.

Wir Grünen setzen uns für die Energie-und Klimawende auf der Insel ein.

Dabei wollen wir, daß bei der Installation von Energiespar- und Erzeugungs-Technik gleichzeitig Augenmaß gehalten wird, um Natur- und Landschaftsschutz ebenso wenig zu beeinträchtigen, wie die Struktur historisch gewachsener Inseldörfer. Insofern sehen wir Maßnahmen und Vorgaben die zum Energiesparen und zur Senkung des CO2- und Energieverbrauches beitragen vorrangig vor der Installation von energieerzeugender Alternativtechnologie. Das Aufstellen von Windenergieanlagen auf der Insel ist weder gesetzlich möglich noch sinnvoll. Ökostrom wird imÜberfluss auf dem nahen Festland produziert.

Den Ausbau der Offshore-Windenergie begrüssen wir, um die Energiewende weg von fossilen Energieträgern wie Öl, Gas und Uran zu gewährleisten. Allerdings nur dann, wenn Windparks nicht in ausgewiesenen Schutzgebieten betrieben werden. Der Windpark Butendiek ist von Sylt aus sichtbar und wurde in ein EU-Vogelschutzgebiet hineingebaut. Das war ein Fehler, der dadurch gemildert werden muss, daß dieser Windpark stets nach den best- verfügbaren Technologien seinem sensiblen Standort kontinuierlich angepasst werden muss. Nach Ablauf der Verträge sollte der Windpark abgebaut werden.

Eine Steigerung von Solarthermie und Photovoltaik auf Hausdächern und Parkplätzen der Insel wird begrüsst, sofern Dorf- und Landschaftsästhetik nicht darunter leiden. Einen besonders wichtigen Beitrag zur Energie-und CO2 Bilanz der Insel sehen wir in einer insularen Verkehrswende (s.Sanfte Mobilität).

Grundsätzlich wollen wir, dass seitens der Gemeinden so etwas wie der Klimanotfall ausgerufen wird. Besser noch die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDG). wie es der Kreis NF bereits beschlossen hat.

Klimaschutz -Forderungen für Sylt:

  • Ab sofort: Ausrufen des Klimanotstandes für die Insel (wie in vielen Großstädten schon geschehen)  und Einrichten einer insularen Klima – Kommission, die unter Vorsitz einer/s Nachhaltigkeitsmanager*In Ideen sammelt, sichtet und vierteljährlich an die Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung weiterleitet.
  • Ab 2020 eine Bilanz zum Treibhausgasverbrauch von Sylt in Tonnen CO2 Äquivalenz veröffentlichen und jährlich fortschreiben.
  • Maßnahmen ergreifen um jährlich den Treibhausgasverbrauch auf der Insel linear zu senken bis 2035 das Ziel 100% klimaneutrale Insel erreicht ist.
  • Verwaltung, Eigenbetriebe und Betriebe an denen die Gemeinden beteiligt sind strickt auf das Ziel 2035  100% klimaneutral Ausrichten in dem dieses Ziel als Satzungen  dieser Betriebe festgelegt wird.
  • Zurückdrängen des Individualverkehrs, Vorrang für ÖPNV, Fahrrad, Fußgänger.
  • Konsequente Ausrichtung der Fremdenverkehswerbung auf nachhaltige Anreise und nachhaltige Mobilität auf der Insel.
  • keine Subvention für Fluggäste. Die bislang getätigten Gelder von jährlich bis zu 1 Million Euro in den Flughafen Sylt in die Attraktivierung des ÖPNV stecken
  • Schluss mit Diesel bei der Deutschen Bahn! Wussten Sie schon?:

    1. Auf der Strecke Westerland – Hamburg-Altona fährt die Bahn noch mit altmodischen Dieselloks.

    2. Allein die roten Autozüge nach Sylt verpesten die Luft mit 1000-1500 Litern Diesel täglich. Im Jahr mit rund 6-7 Mio. Liter Diesel oder 15.000-18.000 t CO2.

    Zusammen mit den Personenzügen macht das nur auf dem Abschnitt Niebüll – Westerland rund 23.000-28.000 t Kohlendioxid pro Jahr.

    3. Hinzu kommen die Personenzüge nach Hamburg (gerechnet ab Niebüll) mit rund 3 Mio. Liter Diesel und weiteren 8.000 t Kohlendioxid jährlich zzgl. weiterer kleinerer Mengen zusätzlicher Fahrten. Der sogenannte „Geisterzug“ (SyltshuttlePlus) der DB zwischen Bredtstedt und Westerland fährt meist leer und dient nur dem  erreichen eines Wettbewerbsvorteils der DB für den Syltshuttle.