Insel-Tourismus

Mit rund 7 Millionen Übernachtungen und knapp einer Million anreisenden Gästen pro Jahr sind die Kapazitätsgrenzen von Sylt längt überschritten. Bis zu 250 000 Menschen werden an Spitzentagen in der Hochsaison gleichzeitig auf der Insel geschätzt- viele davon sind mit dem Auto angereist. Sie verbrauchen unseren begrenzten Trinkwasservorrat, auch zum häufigen Duschen. Sie erzeugen Müll und Abwasser in riesigen Mengen, verbrauchen Ressourcen und belasten die Naturgebiete. Für die Tourismuswirtschaft, von der fast alle auf Sylt abhängig sind, wurde und wird direkt und indirekt eine Menge Fläche der Insel versiegelt (Strassen-, Parkplatz-, Wohnungs-,  Appartement-, Hotelbau, Kureinrichtungen, Spiel-und Sportgelände etc.).

Ein großes, relativ neues Problem, ist das Sinken der Aufenthaltsdauer von Inselgästen. Traditionell waren wochenlange Ferienaufenthalte mit der ganzen Familie die Regel. So entstanden persönliche Bindungen zwischen Gast und GastgeberIn, oft über Generationen hinweg. Damit ging ein persönliches Interesse am guten Erhalt der Insel bei den Gästen einher. Heute kommen die Menschen meist nur noch für wenige Tage (7 Tage im Durchschnitt). Dadurch entsteht eine Menge Stress: für Dienstleister, Natur und Landschaft, aber auch für die Urlauber selbst.

Deswegen treten die Grünen dafür ein, daß es einen Wertewandel in der insularen Tourismuswirtschaft gibt. Statt immer mehr Quantität zu fordern, wollen wir, daß die touristische Strategie auf Qualität setzt. Weniger Gäste, die länger bleiben, sichern das Einkommen der Insulaner und die Substanz der Inselnatur langfristig besser, als der „heisse“ Kurzzeittourismus.

Darum setzen wir uns dafür ein, daß ein Teil der von den Gemeinden zur Verfügung gestellten touristischen Mittel für (Werbe-) Kampagnen eingesetzt werden, die Langzeiturlauber locken und zu klimafreundlicher Anreise und – Aufenthalt motivieren. Kurzzeitgäste sollen nicht extra beworben werden.

Wir erwarten von unseren Tourismus-Service-Einrichtungen und Marketing Agenturen, dass sie  Veranstaltungen, Vorhaben und Aktivitäten  unterlassen, die klimaschädlich oder dem Landschafts-/ Umwelt-und Naturschutz abträgliche sind und umgekehrt, daß  „syltfreundliche“ Aktivitäten gefördert werden. Auch hier plädieren wir für ein Umdenken. Die sylter Tourismuswirtschaft soll nicht schädlichen Trends hinterherlaufen, sondern ihrerseits Trends für nachhaltigen Urlaub setzen: in ihren Werbe-Kampagnen ebenso, wie vor Ort in der Umsetzung und Kooperation mit Werbekunden, die vom Sylt-Image profitieren wollen.

Wir wollen, daß aktiv Win-Win Situationen verfolgt werden, die nicht nur dem Tourismus, sondern auch der Lebensqualität der Einheimischen zu Gute kommen.

Dazu gehört auch eine optimalere Organisation des Tourismus auf der Insel: die Einführung einer einheitlichen Gästekarte für die ganze Insel und alle Gemeinden, mit der Gäste auch andere Dienstleistungen als nur den Strandbesuch erhalten (zb. freie ÖPNV-Nutzung, Museumsbesuche, etc). Dafür Abschaffung von Kurkartenkontrollstellen an Strandübergängen, Einsparung von Verwaltungen in vielen Inselorten etc..