Sanft mobil nach Sylt

Eine Forderungen der Grünen lautet: Sanft mobil – von zu Hause bis ans (Urlaubs-) Ziel

Von der Möglichkeit ohne nennenswerten ökologischen Fußabdruck, also CO2-frei, die Anreise zu gestalten ist, die Insel jedoch weit entfernt.

Das ist zu einem gewissen Masse selbst verschuldet und liegt zu höheren Anteilen an der Deutschen Bahn und den zahllosen Autofahrern.

Die Bahn-Strecke Hamburg-Westerland gehört zu den altmodischsten Schienensträngen der Republik, da sie ab Itzehoe nur mit Dieselloks befahren werden kann. Es fehlt die Elektrifizierung. Deshalb werden pro Fahrt mit dem Zug oder Autozug Unmengen Diesel verbraucht. Das muss schleunigst geändert werden, indem die Bahn endlich die gesamte Strecke elektrifiziert. Das Argument, Oberleitungen wären aus Naturschutzgründen nicht auf dem Eisenbahndamm durch den Nationalpark Wattenmeer machbar, kann leicht dadurch entkräftet werden, dass man die Elektrifizierung ins Gleisbett legen könnte, so wie es bei S-und U-Bahnen Gang und Gäbe ist. Auch eine Ausrüstung von Loks mit Brennstoffzellen (H2) wäre eine denkbare Lösung.

An einer Verbesserung des Autoverkehrs zur Insel haben die Grünen kein Interesse (s. auch Sanft mobil auf Sylt). Deshalb lehnen wir eine Strasse vom Festland zur Insel vehement ab. Auch Erleichterungen für die Autozüge sind nicht in unserem Sinne. Vielmehr müssen der Bahnverkehr für Passagiere und der ÖPNV auf der Insel so verbessert und aufeinander abgestimmt werden, daß immer weniger Menschen es für sinnvoll erachten, mit dem Auto anzureisen.

Auch ganz neue Möglichkeiten der umweltfreundlichen Anreise sollten neu diskutiert werden: per Schiff, wie es sich ja eigentlich für eine richtige Insel gehört, und warum nicht auch per E-Luftschiff?

Die Entladung von rund 500 000 Autos pro Jahr im Stadtzentrum Westerlands führt zu massiven Problemen hinsichtlich Lärm, Abgase, Staus etc.. Deshalb wird immer wieder über eine Verlagerung der Autoverladung aus der City nach Sylt Ost (zum Beispiel auf das Flughafengelände) nachgedacht. Wir Insel-Grünen sehen diese Pläne mehr als kritisch, denn wir meinen, dass es so nur zur einer Verlagerung von Problemen in die Peripherie führt und  weiterer Strassenbau und Naturzerstörung vorprogrammiert sind.

Ziel muss es sein, den Strom von KFZ auf die Insel drastisch zu verringern, statt die Anreise per Auto für den Autofahrer reibungsloser zu gestalten. Dafür sollte sich auf der Insel ein moderner,  klimafreundlicher und günstiger ÖPNV und Radverkehr umsetzen.

Der Flughafen Sylt

Der Flughafen Sylt hat seine Wurzeln in den 1920iger Jahren und in der Geschichte des Dritten Reiches. Damals wurden die für eine Insel überproportionierten Landebahnen gebaut, um Militärmaschinen auf der „Festung Sylt“ zu stationieren. Nur deshalb besteht seit dem Abzug der Bundeswehr in den 1990iger Jahren auf Sylt die Möglichkeit, große, moderne Passagiermaschinen der  Urlaubs-Fluggesellschaften landen und starten zu lassen. Das gibt es sonst auf keiner anderen Nordseeinsel.

Für diesen Service zahlen die Sylter Bürger jedoch einen harten Preis. Im Jahr 2018 wird das voraussichtliche Defizit des Flughafens bereits auf über 1,1 Millionen Euro berechnet (2017 waren es 861 000 Euro). Dabei hiess es noch vor knapp fünf Jahren seitens der Flughafengesellschaft, man wolle das Defizit auf 250 000 Euro begrenzen. Füllen müssen die Finanzlücke überwiegend die Sylter Steuerzahler über Gemeindemittel, die entweder direkt pro Gemeinde fliessen, oder indirekt via der touristischen Gesellschaften ISTS und SMG (die letztendlich auch Gemeinde sind). Einen kleinen Teil von 31 000 Euro schiessen die Sylter Unternehmer zu. Die Gemeinde Sylt zahlt dabei den Löwenanteil und stellt obendrein die grossen Flugplatzflächen noch kostenlos zur Verfügung. Eine grobe berechnung kommt zu dem Ergebnis, dass derzeit jeder anreisende Urlaubs-Fluggast mit 20 Euro aus der „Inselkasse“ subventioniert wird.

Da der Flughafen angesichts andauernder Krisen bei den Airlines immer wieder hart an der wirtschaftlichen Existenzgrenze operiert, ist da auch keine Besserung in Sicht. Trotz schlechterer Bedingungen bei der Anreise mit Auto und Bahn im vergangenen Jahr, stiegen die Fluggastzahlen nicht wesentlich-sie stagnieren vielmehr seit Jahren. Einen wirklichen Einfluss auf die Menge der anrollenden Autos über den Hindenburgdamm hat diese Anreisemöglichkeit also nicht.

Der Flughafen kostet nicht nur horrende Summen, die beispielsweise im Ausbau eines sanften Inselverkehrs fehlen, sondern bringt auch mehr Lärm, Abgase (CO2), Kerosin und Gefahrenpotential für das kostbare Inseltrinkwasser, das unter dem Flughafengelände gewonnen wird.

Oft wird argumentiert, Fluggäste würden ja nicht mit dem Auto kommen und deshalb wäre der Flugbetrieb unter dem Strich umweltfreundlich. Das ist jedoch eine Milchmädchenrechnung, da ein Heer von Leihwagen (ca. 1000) von Sixt und Co mit konventionellem Antrieb auf die Fluggäste wartet. Positiv ist zu bemerken, dass die Flotte zunehmend auch E-Mobile bereitstellt und der Umwelt die lange Autoanreise erspart bleibt.

Letztendlich wird der Flughafen finanziell nur bestehen können, wenn dort weiter massiv für Wachstum gesorgt wird, also mehr Airlines aus mehr Destinationen angelockt werden. Das verschärft die Probleme der Insel jedoch in vielerlei Hinsicht.

Deshalb sprechen wir Grünen uns für ein „Ende mit Schrecken“ aus, statt weiter wichtige Gemeindemittel in ein Fass ohne Boden zu investieren. Wer den Flughafen erhalten will, wie die Sylter Unternehmer, sollte ihn dann auch finanzieren, oder für eine Finanzierung durch die Fluggäste sorgen, ohne den Flugbetrieb weiter zu erhöhen. Der sylter Bürger sollte jedenfalls nicht dafür zur Kasse gebeten werden.