Kerosin tut weder der Insel, noch dem Sylter Image gut.

Die Sylter Grünen antworten auf einen Artikel des Tourismus- und Flughafenchefs Peter Douven in der Sylter Rundschau:

 Der Chef der Flughafen GMBH und des Insel Sylt Tourismusservice Peter Douven beklagt sich, dass die Fliegerei im Zentrum der Klimakritik steht. Richtig ist jedoch, dass erst nach jahrelangen Diskussion um die Autos, nun endlich auch das Flugzeug als Klimaschädling in den Fokus rückt.  Die Klimawirksamkeit des Flugverkehrs ist dreimal höher, als der Treibstoffverbrauch es nahegelegt. Das liegt daran, dass Flugzeuge ihre Emissionen in Höhen ausstoßen, in denen sie größere Schäden anrichten als gleiche Mengen am Boden. Die Masse der globalen Kondensstreifen wirken sich  stärker auf das Klima aus als die gesamten, globalen CO2-Emmissionen von Flugzeugen. Der direkte CO2-Ausstoß  wird bei Flügen deshalb üblicherweise mit dem so genannten RFI-Faktor (Radiative Forcing Index) multipliziert, um den Klimaschaden zu errechnen.  So vergleicht – der Verkehrsclub Deutschland Treibhausgase Gramm pro Personenkilometer: Bahn-Nahverkehr 63, Bahn-Fernverkehr: 38, PKW: 140, Flugverkehr: 214 (RFI bereinigt). – Atmosfair rechnet bei einem Flug Von Düsseldorf nach Westerland und zurück 210 kg CO2 Klimawirkung/p.Person (RFI berücksichtigt). Nahverkehrszüge verbrauchen laut CO2 Rechner auf der Strecke 80 kg/p.P. und – die Wissenschaftsseite des WDR „Quarks“ rechnet für die Strecke (Straße ca. 1200 km)  folgendes vor: PKW  mit 2 Personen 113,4 kg, Nahverkehr: 76,4 kg, IC 42,7 kg, Flugzeug 253,6 Kg-  Demnach wäre das Flugzeug also mehr als 3 x schädlicher als der Nahverkehr und rund doppelt so schädlich wie eine Autofahrt mit zwei Personen. 

In seiner Rolle als Flughafendirektor mag man Peter Douven seine Nebelkerzen-Rechnung verzeihen, nicht aber als Tourismusdirektor. Hat sich die gesamte Tourismusbranche, und insbesondere die der Insel Sylt, in letzter Zeit doch immer wieder als „Klimaschutz-willig“ dargestellt. Ich erinnere an die Beteiligung an Klimaschutzwochen, der Klimaschutzaktion beim letzten Windsurf-Worldcup und andere Gelegenheiten. Letztendlich ist Herr Douven nicht nur wirtschaftlichen Zielen, sondern auch anderen Zielsetzungen der Insel-Gemeinden verpflichtet- und dazu gehört in erster Linie der Klimaschutz, da der zu erwartende Meeresspiegelanstieg auch unsere Insel direkt bedrohen wird.Das Argument, dass bei der maroden Bahn nach Sylt und den Autobahnbaustellen, der Umstieg ins Flugzeug verständlich wird, kann ich gut nachvollziehen. Der Schluss daraus darf aber nicht sein, dass mehr Flugstrecken gefordert werden, sondern dass die Bahnqualität verbessert werden muss. Der Tourismus wünscht sich wohl, alle Verkehrsmittel zur Insel maximal auszulasten. Das führt jedoch nicht zu mehr Klimaschutz. Noch ein Wort zur Flugscham: Ein schlechtes Gewissen lähmt nur. Aktiver Boykott von besonders schädlichen (Mobilitäts-) Produkten und Forderungen die gesamte Flugbranche technisch umweltfreundlicher zu gestalten, sowie eine steuerliche Bevorzugung von umweltfreundlichem Reisen bringt mehr. Manchmal ist derzeit das Flugzeug leider noch fast unvermeidlich.   Vom ISTS würde ich mir mehr Engagement in Sachen fahrscheinlosem insularem ÖPNV und sanftem Mobilitätskonzept wünschen. Eine Erhöhung der Kurtaxe um einen Euro, um  Busfahren billig und hochattraktiv zu machen,  wurde vergangenes Jahr vom Inseltourismus noch vehement abgelehnt, dafür subventioniert die Insel jeden Fluggast mit 10 Euro über die Flughafenabgabe. Die Ausstellung von Autos auf der Promenade Westerland, wie jeden Sommer bei den Surf-Cups, ist jedoch ebenso ein rückständiges Signal, wie die im Artikel versteckte Promotion für den Flugverkehr. Dem Insel-Image tut das in Zeiten der Energie-und Verkehrswende sicherlich nicht gut.

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