Maria Andresen

Maria Andresen legt Mandat in Sylter Gemeindevertretung nieder

Westerland

Maria Andresen

Eine kommunalpolitische Ära geht zu Ende:
Sylts langjährige Gemeindevertreterin Maria Andresen von den Grünen hat ihr Mandat schriftlich zu Ende März niedergelegt. Verabschiedet werden soll die 69-Jährige in der April-Sitzung der Gemeindevertretung, bei der zugleich auch ihre Nachfolgerin vereidigt werden soll: Christina Lohmann-Schmidt.

Maria Andresen ist seit 1984 Mitglied bei den Grünen auf Sylt

und hat die Kommunalpolitik auf Sylt in den vergangenen mehr als 30 Jahren entscheidend mitgeprägt. „Ich werde 70 dieses Jahr und denke, jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um einen kleinen Generationenwechsel in der Gemeindevertretung einzuführen. Viele Mitglieder der Gemeindevertretung sind so alt, wir Grüne gehören da fast schon zu den Jüngeren.“

Mit ihrem Ausscheiden aus der Gemeindevertretung leitet Andresen ihren Abschied  von der kommunalpolitischen Bühne auf Sylt ein. Mitglied im Ortsvorstand der Sylter Grünen will sie aber bleiben. Maria Andresen ist eines der bekanntesten Gesichter der Grünen auf Sylt und hat sich in den vergangenen drei Dekaden in der Sylter Kommunalpolitik einen Ruf als überzeugte, aber stets faire Kämpferin für die Sache erarbeitet. Persönliche Angriffe und verbale Ausfälle sind nicht ihre Sache.

Umgangston hat sich verschlechtert

„Ich überblicke die Kommunalpolitik auf Sylt inzwischen einige Jahre, muss aber sagen, dass sich der Ton in den letzten Jahren deutlich verschlechtert hat in der Gemeindevertretung, es war schon mal wesentlich respektvoller und wertschätzender, vor allem im Umgang mit unserem Bürgermeister“, sagt Andresen. „Was sich Herr Häckel teilweise anhören muss, ist unwürdig im Umgang miteinander.“ Der miese Umgangston in der Gemeindevertretung habe aber keine Rolle gespielt in ihrer Entscheidung, aufzuhören. Die Zeit sei einfach reif gewesen für eine Erneuerung: „in der Grünen-Fraktion und in der Gemeindevertretung.“

Maria Andresen ist nicht nur ein kommunalpolitisches Urgestein auf Sylt, sie lebt inzwischen auch schon seit rund 50 Jahren auf der Insel. Gebürtig kommt sie aber vom Festland, genauer gesagt aus Langenhorn. Nach der Schule lernte sie zunächst den Beruf der Einzelhandelskauffrau in Bredstedt. Auf Sylt arbeitete sie dann als Fachwirtin im Bereich Tourismus. Die ersten zwei Jahre auf der Insel lebte sie in Hörnun, seit knapp 50 Jahren aber schon in Westerland.

Immer mehr Junge engagieren sich bei den Grünen

Wie genau sie damals zu den Grünen kam, kann Maria Andresen heute nicht mehr sagen. „Es gab Mitte der 80er-Jahre viele Menschen auf Sylt, die sich in Anti-Atomkraft-Gruppen und der Friedensbewegung engagierten. Vor allem in Westerland in der ehemaligen Gemeinde Sylt-Ost. Ich war damals auf einigen spannenden Info-Abenden und Veranstaltungen und kam so zu den Grünen, muss aber auch sagen, dass ich mich schon immer für Themen wie Umwelt, Klimaschutz, Gleichstellung für Frauen und soziale Gerechtigkeit interessiert habe.“

Das habe sich bis heute nicht geändert. Sylt hingegen habe sich sehr verändert in den vergangenen Jahrzehnten. Der Massentourismus habe seine Spuren hinterlassen. „Mehr denn je braucht es heute eine starke grüne Stimme auf der Insel, die sich stark macht für mehr und gesicherten Dauerwohnraum, die Verkehrswende, für mehr Möglichkeiten für Radfahrer und Fußgänger, für Arten- und Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung das heißt auch mehr Frauen in der Politik und ein sozialeres Miteinander“, sagt Andresen.

Umso mehr freue sie sich, dass die Grüne Partei viele neue Mitglieder für sich gewinnen konnte.  Bewegungen wie Fridays for Future hätten da viel bewegt und ins Rollen gebracht. „Ich finde das alles super, dass sich junge Menschen nun lautstark einmischen.“ Auch das  Bürgerbündnis Merret reicht´s hat schon einiges bewegt und muss immer wieder angehört werden.

Schon immer eine soziale Ader

„Es muss was passieren auf dieser Insel. Ein höher, schneller, weiter darf es nicht mehr geben. Es muss sich alles wieder etwas beruhigen, wir alle müssen wieder mehr das Wohl der Insulaner in den Vordergrund rücken, es kann nicht nur immer nur um die Touristen und eine Saisonverlängerung gehen.“

In Langenhorn bin ich zur Hauptschule gegangen, habe eine Lehre gemacht, als Saisonangestellte das erste Mal auf Sylt gewesen und hängen geblieben. Geheiratet, zwei Kinder bekommen und mich schon immer für meine Mitmenschen interessiert und für meine Überzeugungen eingesetzt. Dabei war meine immerwährende Neugier sehr hilfreich. Durch die vielen Jahre in der Politik habe ich so viel gelernt. Sie haben mir gezeigt, was man erreichen kann, wenn man neugierig bleibt und Dinge zum Positiven verändern will.

Grüne gut gerüstet für die Zukunft

Beruflich ist Andresen seit nun mehr fünf Jahren in Rente. Nun soll allmählich die politische Rente kommen. Sie wolle endlich wieder mehr Zeit für sich haben, zum Bücher lesen, zum Reisen. „Ich freue mich darauf, durch Deutschland zu reisen, Städtetourismus zu machen, nach Berlin zu fahren und meine Kinder und Enkelkinder zu besuchen. Mein ganz großer Traum ist es, mit dem Zug ganz bis nach Lissabon zu fahren und Portugal zu erkunden. Für all solche Aktivitäten habe ich bald wieder etwas mehr Zeit.“

Ihre Sylter Grünen sieht Maria Andresen sehr gut aufgestellt. Und nicht nur auf Sylt. Sie sei stolz auf die Grünen als Partei, die sich in den vergangenen Jahren zu einer Partei entwickelt habe, die Wahlen gewinnen und einen Kanzlerkandidaten stellen könne. Es sei ein langer Weg bis hierhin gewesen. „Am Anfang hat keiner von den Etablierten die Grünen richtig ernstgenommen. Auch auf Sylt wurden wir Grünen anfangs immer nur als eine Art Kontrollpolizei gesehen, die irgendwelche Vorgaben zu Umwelt und Verkehr machen will. Gut, dass sich das geändert hat.“

Nils Leitfeld,  Sylter Rundschau 

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