Schluss mit dem Stau in der sylter Verkehrspolitik!

Mehr Grünes (Licht) für Rad und ÖPNV

Grüne wollen besseres Klima

Die Verkehrssituation auf Sylt hat sich in den vergangenen Jahren verschlechtert. Der zunehmende Autoverkehr führt zu Staus, Lärm, Gestank und gefährlichen Begegnungen mit RadfahrerInnen und nervt Alle- Insulaner, wie Gäste.

AK Verkehr

Vor diesem Hintergrund setzten wir Sylter Grünen im Sommer 2017 das Thema „Verkehr auf Sylt“ erneut als Schwerpunktthema. Wir gründeten einen internen  Arbeitskreis Verkehrswende, der u.a. den langjährigen Sachbearbeiter in der Inselverwaltung mit Ideen und Hinweisen bei der Erstellung eines Radwege-Konzeptes unterstützte. Leider kündigte dieser ganz plötzlich seinen Arbeitsplatz.  (Längere Zeit zuvor hatte bereits der Klimamanager frustriert das Handtuch geworfen). Wir bedanken uns hiermit noch einmal für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und bedauern, dass das schon weitestgehend ausgearbeitete Radwegekonzept bisher keine Umsetzung erfahren hat.

Aktion zu Buslizenzen und Busfahren auf Kurkarte in 2017

Des Weiteren richteten wir unser Augenmerk auf den ÖPNV. Die Küstenkoalition hatte zu Jahresbeginn 2017 ein neues Landesgesetz verabschiedet, das die Finanzierung des Busverkehrs über die Kurtaxe ermöglicht. Zudem stand die Neuvergabe der Linien-Genehmigungen bei den Stadtbuslinien an (Gemeinde Sylt) und auch  die der inselweiten Buslinien an.

Wir Sylter Grünen setzten uns dafür ein, dass anstehende Verträge mit dem insularen ÖPNV-Betreiber SVG erst dann unterzeichnet würden, wenn zuvor konkrete Rahmenbedingungen (Nahverkehrsplan) für einen ökologischen und sozial ausgerichteten ÖPNV (Daseinsvorsorge!-nicht jeder kann sich ein Auto leisten) seitens der Gemeinden gesteckt wären. Zudem wollten wir, dass Möglichkeiten und Kostenberechnungen für einen fahrscheinlosen ÖPNV auf der Insel (Stichwort: Busfahren auf Kurkarte) ausgelotet und nach Möglichkeit umgesetzt würden.

Beide Ziele wurden zu unserem Bedauern nicht erreicht. Die Fraktionen der CDU, SPD, SSW und Insulaner blockierten unseren Vorstoß, indem sie  für einen Antrag im Gemeinderat stimmten,  der der SVG die Gestaltungsmöglichkeiten im ÖPNV bis 2029 überlässt. In den anderen Gemeinden wurde das Thema gar nicht erst diskutiert. Damit haben diese Parteien und Gemeinden sich nicht unbedingt für einen optimalen insularen ÖPNV im Sinne von Bürgern und Natur stark gemacht, sondern die einfachste Lösung gewählt, nämlich dem alten Betreiber ohne grosse Auflagen weitere 11 Jahre die Gestaltungshoheit überlassen.

Bus-Bremser in Gemeinde und Tourismus

Aus Kreisen der insularen Tourismusverwaltungen kam auch starker Widerstand gegen unsere Idee, Busfahren per Kurkarte zu ermöglichen und so weit mehr Gäste in den ÖPNV zu ziehen, als bisher. Eine Erhöhung der Kurtaxe um 60 Cent bis 1 Euro/Tag zur Finanzierung eines fahrscheinlosen Busverkehr sei jedoch indiskutabel, hiess es von Kurdirektoren. Man habe Angst, „sich aus dem Markt heraus zu preisen“. Zudem seien die Busse ja bereits voll.

Inzwischen zeigt sich, dass mehr und mehr Tourismusdestinationen, z.B. an der Ostsee, das Busfahren mit Kurkarte stark oder vollständig subventionieren. Wir werden uns hier also zunehmend fragen lassen müssen, warum Sylt seinen Gästen so teures Busfahren zumutet. Dass bestehende Busse voll sind, kann kein ernstzunehmendes Argument sein- dann müssen eben mehr Busse angeschafft werden-ganau das, würde ja unser Ziel näher bringen, den motorisierten Individualverkehr zu senken.

Anders ausgedrückt: die Mehrheit der GemeindevertreterInnen und Touristikmanager ärgern sich zwar über Verkehrsstaus, aber mit dem bereits 2016 beschlossenen Leitbild zum Vorrang von ÖPNV, Radverkehr und Fußgängern können sie sich offenbar nicht anfreunden. Auch Klimaverbesserung, Abgas- und Lärmreduzierung sind nur gewünscht, solange der motorisierte Individualverkehr nicht eingeschränkt wird, nach dem Prinzip: „Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass!“. Der Autoverkehr solle Vorrang behalten und dürfe nicht behindert werden. Sonst könnten ja die Touristen ausbleiben (die jedoch erwiesenermaßen wegen der Natur, wegen Ruhe und guter Luft herkommen). Warum nur fehlt der Mut, die eigenen Beschlüsse ernst zu nehmen und umzusetzen? Könnte Sylt nicht vielmehr zum Trendsetter für umweltfreundliche Verkehrslösungen sein, die man im Urlaub gern mal ausprobiert?

Qualitätssenkung des ÖPNV im Stadtbereich Westerland

Trotz eines Klima- und eines Verkehrsgutachtens und vieler Diskussionen im Sommer 2017 hat sich nichts Wesentlichesin Sachen Verkehr bewegt. Im Gegenteil: die Taktungen der Stadtbuslinien sind verschlechtert worden und sollen weiter eingeschränkt werden. Sicherlich sollen mittelfristig die Linien ganz eingestellt werden.

Wir Grünen wollen jedoch nicht darauf warten, bis Unternehmer irgendwann die Verkehrsprobleme auf Sylt in  alleinigem Interesse lösen. Wir sehen  die Selbstverwaltung der Insel-Gemeinden hier in der Pflicht, zügig Verbesserung zu schaffen.


Dabei ist uns klar, dass allein mit einer Verbesserung des ÖPNV-Angebotes und eines innovativen Radverkehrskonzeptes die Verkehrsprobleme der Insel nicht gelöst werden. 

Wir stimmen der im „Insularen Mobilitäts- und Verkehrskonzept Sylt“ von November 2014 gemachten Aussage zu, dass für eine Verbesserung der Verkehrssituation zahlreiche Faktoren nötig sind, die konzertiert ineinander greifen müssen.

In Frage kämen z.B.:

  • die Einführung einer insularen Mobilitätskarte, mit der man sowohl verbilligt Bus fahren als auch vergünstigt Räder ausleihen kann. Evtl. kann die Kurkarte dahingehend erweitert werden
  • ein dichtes Netz von E-Ladesäulen und Lademöglichkeiten bei den Strandübergängen und den Ausflugszielen
  • ein inselweites Leihradnetz, das per App bedienbar ist
  • ein Radwegekonzept, dass dem E-Bike-Boom Rechnung trägt und diesem Verkehrsmittel Vorrang einräumt
  • E-Carsharing Angebote
  • Maßnahmen, die den motorisierten Individualverkehr dort unattraktiv machen, wo er am meisten stört (höhere Parkgebühren im Innenstadtbereich, weniger Parkplätze statt mehr)
  • massive Imagewerbung für das Nutzen von Rad und Bus
  • Freigabe bestimmter Innenstadtstraßen (Fahrrichtungsfreigabe) nur für Busse, Taxis und Rettungsdienste, Einrichtung von Fahrradstraßen
  • Ampelvorrangschaltung für Busse.

Irgendwo muss JETZT mit tatsächlichen Maßnahmen zur Umsetzung eines insularen Verkehrskonzeptes begonnen werden. 

Wir wollen, dass die Nutzung von Bussen mehr und mehr selbstverständlich, attraktiv und preisgünstig wird, so dass viele Menschen mit dem Bus statt mit dem eigenen Auto auf Sylt unterwegs sind.

Dadurch

  • wird der Ausstoß von gesundheits- und klimaschädigenden Abgasen vermindert
  • die Luftqualität der Gemeinden verbessert (die Sylter Gemeinden reihen sich ein in die TOP 10 der deutschen Gemeinden mit der saubersten Luft)
  • geht der Verkehrslärm zurück und der Erholungswert der Insel steigt.
  • Werden Verkehrsstaus in der Innenstadt verringert (und diejenigen, die wirklich mit dem Auto fahren müssen, kommen einfacher und zügiger voran).
  • werden die Busse auch im Winter sowie morgens und abends stärker ausgelastet
  • steigt der Transport-Bedarf per ÖPNV und weitere Gebiete können mit attraktiven Bustaktungen angeschlossen werden.

Menschen, Klima und SVG erzielen gemeinsam Win-Win-Win-Lösungen.

Wir Grünen wollen im Wahljahr 2018 alles unterstützen, was zur Realisierung dieser Ziele führt.

Verwandte Artikel