Wachstums-Grenzen

Natürliche Grenzen

Sylt ist eine Insel. Uns steht ein von Natur her begrenzter Raum zur Verfügung. Nur 99 qkm. Nutzbar ist davon nur ein Bruchteil, denn bis zu 50% der Insel ist in irgendeiner Form „naturgeschützt“.

Gleichzeitig leben hier rund 19900 Einwohner, die von rund 1 Million Touristen besucht werden (über 100 000 Verbraucher gleichzeitig zu Spitzentagen in der Hochsaison) und rund 7 Millionen Nächte in Fremdenbetten verbringen. Tagsüber wollen alle die Insel erleben und konsumieren. Dazu kommen etwa 500 000 Autos pro Jahr über den Eisenbahndamm und nochmal 70 000 mit der Römö/Sylt -Fähre auf die Insel und teilen sich den Strassen-und Parkraum mit 14 000 einheimischen Fahrzeugen.

In Deutschland, ja ganz Europa, bietet Sylt eine einzigartige Landschaft mit hoch schützenswerten Biotopen. So wachsen beispielsweise im Verantwortungsbereich der Insel allein 50% der verbliebenen Heideflächen Schleswig-Holsteins.

Die für Deutschland seltenen Pflanzengemeinschaften der Insel benötigen nährstoffarme Böden, um langfristig erhalten zu bleiben (Autos stossen mit Stickoxiden Pflanzennährstoffe aus). Die dünne Vegetationsdecke in Dünen und auf der Geest ist höchst trittempfindlich. Viele Biotope und ihre Pflanzen und Tiere sind direkt abhängig von der Verfügbarkeit und Erreichbarkeit einer Süßwasserblase, die sich im Sand der Insel durch Niederschlag bildet.

Dieses Grundwasser ist auch das Trinkwasser aller Sylter und ihrer Gäste. Es steht nur begrenzt zur Verfügung, da die Insel von salzigem Meerwasser umgeben ist. Süsswasser ist leichter  und bildet daher eine schwimmende Blase auf dem schwereren Salzwasser. Würde die Süsswasserblase übernutzt, könnte es zu einem Umkippen dieses feinen Gleichgewichtes kommen- mit schwerwiegenden Folgen für Mensch und Natur.

EVS-Brunnen-Pumpstation in List

Die für die Wasserversorgung zuständige Firma EVS hat auf eine Anfrage von Bündnis90/Die Grünen im Juli 2017 geantwortet:

„Seit 2013 ist der Trinkwasser auf der Insel um fast 230 000 m3/Jahr angestiegen. Im Trockensommer 2018 stieg der Verbrauch auf über 400 000 m3/Jahr auf 2.600 000 qm gerechnet. Die technischen Möglichkeiten der Wasserentnahme werden von der EVS auf 2,8 Millionen m3/Jahr geschätzt, wenn alle 16 verfügbaren Brunnen voll betriebsbereit sind. (Derzeitist die Fördermenge eines Brunnens stark gedrosselt, weil es zu einer Verunreinigung des Erdreiches mit krebserregenden Stoffen bei einer Reinigung in Westerland kam).

Daraus folgert die EVS: „Die Jahresfördermengen werden in den kommenden Jahren  etwa 90 % der wasserrechtlich genehmigten Menge erreichen. Der Trinkwasserbedarf kann für die kommenden fünf Jahre gesichert werden, sofern keine neuen Hotelbauten oder andere Großverbraucher hinzu kommen“. Um das Risiko eines Brunnenausfalls, oder eine Unterdeckung der Trinkwasserversorgung zu vermeiden, muss über die Nutzung der Rohwsserressourcen in List nachgedacht werden.“ (Zitat 2018)

Gemeint ist damit, daß die Süßwassserblase im Naturschutzgebiet Listland angezapft werden soll.

Baugrenzen

Ähnliches, was für das Trinkwasser gilt, gilt auch für die nutzbare Fläche der Insel. Die Bebauungsgebieten dürfen nicht erweitert werden, da die Natürlichkeit der Insel unser Grundkapital ist. Derzeit verliert die Insel jedoch rund 100 Dauerwohnungen für Einheimische pro Jahr, weil sie in FeWos oder Zweitwohnsitze umgewandelt werden. In diesem Spagat zwischen Wohnraumbedarf und Bebauungsgrenzen gilt es, intelligente Lösungen zu finden.

Die Grünen sprechen sich klar für mehr und auch dauerhaft gesicherten Dauerwohnraum aus, d.h aber auch rechtssicher dauerhaft und nicht nur langfristig bis sie wieder verkauft und umgewandelt werden können.

– wir fordern eine gesicherte Bestandsaufnahme vom aktuellen Dauerwohnraum auf der gesamten Insel
– wir fordern von CDU + SWG eine Rücknahme des Mehrheitsbeschlusses, „erst ab einer Wohnfläche von 130 Quadratmeter ist Dauerwohnraum von Bauherren zwingend zu schaffen“ Wir befürworten die 40:60 Regelung, bei der 40% eines Neubaus für Dauerwohnzwecke reserviert werden muss.

– die Grünen wollen keine Bebauung in Außenbereichen auf der gesamten Insel,schon gar nicht ein Sylter-Ghetto auf dem Fliegerhorstgelände, wie es die Zukunft Fraktion möchte.
– wir fordern vom Land S-H die Unterstützung beim Erwerb von Konversionsflächen der BIMA (Bundesanstalt für Immobilien Anlagen) für die Erstellung von sozialem Wohnraum auf der gesamten Insel.

Soziale Grenzen

Durch steigende Preise auf der Insel, vor allem bei den Mieten, hat Sylt bereits seine sozialen Grenzen überschritten. Viele Einheimische, vor allem junge Familien, mussten Sylt verlassen, weil sie sich eine Bleibe auf ihrer Heimatinsel nicht mehr leisten können. Die Einwohnerzahl ist um fast 3000 Erstwohnsitzer gefallen. Das bringt zahlreiche Probleme in den Kommunen mit sich: verödete Strassenzüge, schliessende Geburtsstationen, schliessende Kindergärten, mangelhaft unterstützte feiwillige Feuerwehren etc…, Abschiebung von alten Insulanern ins Heim am Festland.

Psychische Grenzen

Der hochlaufende Tourismusbetrieb mit seinen Saisongeschäften bringt viele an ihre Leistungsgrenzen, besonders in der Gastronomie. Oft mangelt es an Mitarbeitern, nicht zuletzt, weil  keine ausreichenden Möglichkeiten bestehen, sie auf der Insel unterzubringen. Dies wirkt sich auf die Familien aus. Das die Insel ein überdurchschnittliches Drogenproblem hat, ist bekannt.

Die insularen Grenzen müssen erkannt und beachtet werden. Dem haben sich wirtschaftliche Profitinteressen Einzelner oder von Gruppen und Verbänden unterzuordnen.